{"id":133,"date":"2008-04-10T00:50:33","date_gmt":"2008-04-09T22:50:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.streetlightstv.de\/blog\/dreh-auf-windigen-daechern-vermummte-graffiti-maler-zwischen-kunst-und-gesellschafts-kritik\/"},"modified":"2008-04-10T00:50:33","modified_gmt":"2008-04-09T22:50:33","slug":"dreh-auf-windigen-daechern-vermummte-graffiti-maler-zwischen-kunst-und-gesellschafts-kritik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.streetlightstv.de\/blog\/dreh-auf-windigen-daechern-vermummte-graffiti-maler-zwischen-kunst-und-gesellschafts-kritik\/","title":{"rendered":"<strong>Dreh auf windigen D&#228;chern \u2013 Vermummte Graffiti-Maler zwischen Kunst und Gesellschafts-Kritik<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben Expos\u00e9s geschrieben, pers&#246;nliche Gespr&#228;che mit DozentInnen und Professoren gef&#252;hrt; haben Projektstrukturpl&#228;ne entworfen, Arbeitspakete definiert, Funktionen-Diagramme entwickelt, einen Zeitplan ausgearbeitet. Wir haben das gestalterische, das inhaltliche und das redaktionelle Konzept bestimmt, die Idee konkretisiert; haben recherchiert, Leitf&#228;den entwickelt, stundenlang diskutiert und an Kleinigkeiten gefeilt. Nachdem wir uns in den vergangenen Wochen mit allerhand theoretischen und organisatorischen Arbeiten (kurz: Projekt-Management) besch&#228;ftigt haben, kam es Anfang Dezember 2007 zum ersten praktischen Einsatz mit der Kamera!<br \/>\n<br \/>\nAuf einem Dach des <a href=\" http:\/\/topf.squat.net\/\" >Besetzten Hauses in Erfurt<\/a> haben wir uns mit drei Mitgliedern der Erfurter Graffiti-Szene getroffen und ein &#228;u&#223;erst interessantes Interview-Gespr&#228;ch durchgef&#252;hrt. In eisiger K&#228;lte und in Anblick der untergehenden Sonne, haben unsere drei Befragten &#252;ber die Graffiti-Kultur ganz allgemein, sowie die Szene in Erfurt im speziellen gesprochen. Auch pers&#246;nliche Geschichten und individuelle Einstellungen, Erfahrungen, W&#252;nsche und Tr&#228;ume wurden ge&#228;u&#223;ert. Alles in allem ein viel versprechender Anfang unserer Filmaufnahmen!<br \/>\n<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\" http:\/\/www.bluejax.net\/wp-content\/themes\/northern-web-coders\/images\/Inhalt\/Medienprojekt\/1_graffiti_erfurt.jpg\"  border=\"0\"\/><br \/>\n<br \/>\n<strong>Verregneter Start am Morgen<\/strong><br \/>\n<br \/>\nDabei hatte der Tag alles andere als sch&#246;n angefangen. <!--more--> Als wir gegen 09.00 Uhr in Ilmenau losfuhren, regnete es in Str&#246;men. Auch in Erfurt war es nicht viel besser, was einen anstrengenden Arbeitstag erahnen lie&#223;. Da wir uns mit den Graffiti-Malern erst um 13.00 Uhr in einem Studenten-Caf\u00e9 f&#252;r das Vorgespr&#228;ch verabredet hatten, blieb uns noch einige Zeit, um im Stadtzentrum Eindr&#252;cke der dortigen Graffiti-Malereien einzufangen.<br \/>\n<br \/>\nSomit sind wir quer durch Erfurt gelaufen und haben versucht eine m&#246;glichst breite Auswahl an Graffitis und Taggings mit Kamera und Fotoapparat abzulichten. Diese Aufnahmen sollen sp&#228;ter teilweise unter die Audio-Sequenzen des Interviews geschnitten werden, um damit einen bildlichen Eindruck vom Graffiti-Stadtbild Erfurts zu vermitteln.<br \/>\n<br \/>\n<strong>Das Einfangen des Erfurter Stadtbildes<\/strong><br \/>\n<br \/>\nEs ist wirklich faszinierend: L&#228;uft man einmal mit aufmerksamen Augen und auf Graffiti sensibilisiert durch Erfurt, dann bemerkt man fast an jeder Hausfassade irgendwelche Bilder oder Taggs, die sich zum einen stark voneinander unterscheiden, aber deren individueller Style sich auch immer wieder entdecken l&#228;sst.<br \/>\n <br \/>\nDanach folgte eine kleine Wanderung auf die Zitadelle auf dem Petersberg. Von dort aus versuchten wir das Stadtbild Erfurts einzufangen. Besonders der Erfurter Dom stand im Mittelpunkt unserer Aufnahmen, soll er doch sp&#228;ter voraussichtlich zu Beginn des Clips als Wahrzeichen die Er&#246;ffnung &#252;bernehmen. Ob die Bilder jedoch verwertbar sind, werden wir erst in der kommenden Woche bei der Ansicht des Filmmaterials erfahren. Es war auf jeden Fall verdammt kalt und aufgrund des starken Windes auch nicht ganz einfach rauschfreies Tonmaterial einzufangen.<br \/>\n<br \/>\n<strong>Das Vorgespr&#228;ch im Caf\u00e9<\/strong><br \/>\n<br \/>\nEs folgte um 13.00 Uhr das Vorgespr&#228;ch in einem Erfurter Studenten-Caf\u00e9. Dort besprachen wir nochmals das von uns insgesamt ausgearbeitete Konzept und unsere Idee. Die drei Graffiti-Maler zeigten sich sehr interessiert und die Gespr&#228;che mit ihnen lie&#223;en auf ein sehr interessantes Interview mit drei erfahrenen und kompetenten Sprayern hoffen.<br \/>\n<br \/>\nEin Problem stellte die Frage dar, ob man die Gesichter der drei Jungs zeigen oder aber vermummen sollte. Nach einigen Diskussionen einigten wir uns alle zusammen darauf, dass es wohl besser sei, das Interview zu anonymisieren. Viel zu ungewiss ist die Gefahr durch das Interview in Konflikt mit den Ordnungsh&#252;tern und der SoKo Graffiti in Erfurt zu kommen. Leider zeigte sich hier auch schon das erste Vers&#228;umnis unsererseits, wir hatten keine Masken zur Vermummung dabei.<br \/>\n<br \/>\n<strong>Die Geheimhaltung der Interview-Partner<\/strong><br \/>\n<br \/>\nAlso sind wir zusammen in einigen Erfurtern Gesch&#228;ften st&#246;bern gegangen, ohne jedoch Erfolg zu haben. So fuhr einer unserer Interviewpartner auf dem Weg zum Besetzten Haus nochmal kurz zu sich nach Hause und besorgte Skimasken und Schals. Dem Interview stand nun nichts mehr im Wege.<br \/>\n<br \/>\nDas Besetzte Haus in Erfurt stellte sich als perfekte Location f&#252;r die Interview-Aufnahmen heraus. Unz&#228;hlige Graffitis auf dem gesamten Gel&#228;nde sowie ein Flair von Freiheit und Parallelgesellschaft, was genau zu unserem inhaltlichen Konzept von \u201eRandspiel\u201c passt.<br \/>\n<br \/>\n<strong>Das Besetzte Haus Erfurt, ein Ort mit trauriger Vergangenheit<\/strong><br \/>\n<br \/>\nDas Besetzte Haus in Erfurt ist &#252;brigens ein Ort mit einer sehr <a href=\" http:\/\/topf.squat.net\/topf.html\" >dunklen Vergangenheit<\/a>. W&#228;hrend des Nationalsozialismus produzierte dort die Firma \u201eTopf &#038; S&#246;hne\u201c Krematorien sowie Teile von Gaskammern f&#252;r Konzentrations- und Vernichtungslager. Zwei befreundete Kommilitonen von mir haben in den vergangenen Monaten einen Dokumentar-Film &#252;ber die Geschichte des Gel&#228;ndes gedreht. Der Film wird voraussichtlich Mitte 2008 ver&#246;ffentlicht und sei allen sehr ans Herz gelegt!<br \/>\n<br \/>\nAls wir uns auf dem Gel&#228;nde des Besetzten Hauses nach einem idealen Platz f&#252;r das Interview umschauten, waren es die drei Graffiti-K&#252;nstler, die auf einmal die Idee hatten, auf eines der D&#228;cher zu steigen und dort oben zu drehen. Der Vorschlag stellte sich als ideal heraus. Auf der einen Seite das S&#246;hne&#038;Topf-Gel&#228;nde und gegen&#252;ber davon der G&#252;terbahnhof sowie die Hauptstra&#223;e nach Weimar. Der Dreh auf dem Dach hatte etwas ganz besonderes. Irgendwie kam man sich vor, wie in einem dieser tollen Musikvideo-Clips, die man in fr&#252;hen Jugendjahren immer im TV sehen konnte.<br \/>\n<br \/>\n<strong>Das Interview in luftiger H&#246;he<\/strong><br \/>\n<br \/>\n&#220;ber das Interview selber m&#246;chte ich gar nicht viel erz&#228;hlen, schlie&#223;lich sollt ihr ja alle sp&#228;ter eifrig das Video dazu anschauen. Auf jeden Fall war es sehr interessant! Die drei befragten Jungs stellten sich als tolle Interviewpartner heraus, die viel zu erz&#228;hlen hatten. Das Interview wurde von mir durchgef&#252;hrt. Mario filmte mit einer XL1, die auf einem Stativ montiert war und Imke machte mit einer kleinen Handkamera den Gegen-Shot. Gl&#252;cklicherweise war Martin, Imkes Freund, mit dabei und konnte uns den Ton angeln.<br \/>\n<br \/>\nAls wir das Interview begannen, war es bereits zwischen 15.30 und 16.00 Uhr. Und da die Sonne im Winter f&#252;r gew&#246;hnlich gedenkt etwas fr&#252;her unterzugehen, wurde es recht schnell immer dunkler. Auch die zunehmende K&#228;lte und der eisige Wind, der &#252;ber das Dach zischte stellten sich als Problem heraus. Wir froren und zitterten, hatten aber dennoch alle unseren Spa&#223; und lauschten gespannt den Erz&#228;hlungen und Antworten der drei Graffiti-K&#252;nstler.<br \/>\n<br \/>\n<strong>Spa&#223; und Schock bei der Arbeit<\/strong><br \/>\n<br \/>\nEinen kleinen Schock erlebten wir, als uns Martin in einer kurzen Dreh- und Zigarettenpause kurz vor Schluss mitteilte, dass das Mikrofon nicht angeschaltet war. Da er den Ton aber gleichzeitig &#252;ber die Abnahme geh&#246;rt hatte, hoffen und denken wir, dass das Audio-Material vorliegt. Wenn nicht, haben wir ein kleines Problem. Auch lustig war, als unsere Interviewpartner auf einmal alle aufsprangen, als ein Zug vorbei fuhr. Denn wie sich rausstellte war dieser voller Taggs der Leipziger Graffiti-Szene.<br \/>\n<br \/>\nNach dem Interview sprayten die Drei noch ihre K&#252;nstler- Namen an eine freie Wand auf dem Gel&#228;nde des Besetzten Hauses. Auch Imke lie&#223; sich davon inspirieren und sprayte ihren ersten Character! Danach wurde das ganze Equipment wieder eingepackt und wir zogen in der Dunkelheit zur&#252;ck in die Stadt, wo es als Belohnung den ersten Gl&#252;hwein des Jahres 2007 auf dem Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt am Wenigemarkt gab.<br \/>\n<br \/>\n<strong>Das Fazit des ersten Dreh-Tages<\/strong><br \/>\n<br \/>\nInsgesamt l&#228;sst sich sagen, dass es ein wirklich toller erster Interviewtag in Erfurt war. Die drei Graffiti-Maler zeigten sich &#228;u&#223;erst geduldig und aufgeschlossen und brachten sich selber mit eigenen Ideen ein. Das schlechte Wetter machte die Arbeit zu Beginn des Tages etwas anstrengend, wurde jedoch schnell besser, so dass es insgesamt keine all zu gro&#223;e Einschr&#228;nkung darstellte. Mit insgesamt 12 Stunden, die von uns aufgebracht werden mussten, war der Tag ziemlich lange. Sollte sich allerdings rausstellen, dass das Ton- und Videomaterial brauchbar ist, hat sich sicherlich jede einzelne Minute gelohnt!<br \/>\n<br \/>\nAlles in allem kann man von einem viel versprechenden Auftakt sprechen, der uns viel Spa&#223; gemacht hat und Lust auf mehr macht. Ehrlich gesagt blutete mir das Herz, wenn ich daran denke, dass wir das ca, 150-Minuten- Material auf eine Fassung von 10 bis 15 Minuten k&#252;rzen mussten. Mehr wird wohl leider wegen der Ausstrahlung im Internet nicht m&#246;glich sein.<br \/>\n<br \/>\n<strong>Die Folge Erfurt wird voraussichtlich Anfang Mai auf dieser Seite im Internet ver&#246;ffentlicht!<\/strong><\/p>\n<p>[mygal=Folge_Erfurt]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben Expos\u00e9s geschrieben, pers&#246;nliche Gespr&#228;che mit DozentInnen und Professoren gef&#252;hrt; haben Projektstrukturpl&#228;ne entworfen, Arbeitspakete definiert, Funktionen-Diagramme entwickelt, einen Zeitplan ausgearbeitet. 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